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Zugewinn

 

 

Zugewinn

 

Der Zugewinn betrifft den Ausgleich des Vermögens im Falle der Scheidung.

Juristisch genau ist es der Ausgleich des Vermögens bei Beendigung des sog. Güterstandes. 

Der Güterstand regelt die rechtlichen Verhältnisse des Vermögens unter den Eheleuten.

Die Eheleute können Vermögen völlig getrennt halten und verwalten. Dies bedarf einer notariellen Vereinbarung (= Gütertrennung).

Sie können aber auch alles zusammen gemeinschaftlich verwalten und besitzen, was aber auch der notariellen Vereinbarung bedarf (= Gütergemeinschaft).

Schließen die Eheleute keinen sog. Ehevertrag (notarielle Vereinbarung), machen also aus Anlass der Eheschließung oder danach nichts, so leben sie im sog. Güterstand des Zugewinns (dies ist heute der Normalfall).

Weithin unbekannt ist, dass im Falle der Zugewinngemeinschaft (also kein Vertrag aus Anlass der Ehe) die Vermögensmassen dennoch getrennt bleiben, dies bedeutet:

  • Jeder der Partner behält sein Vermögen und verwaltet es selbst.
  • Es gibt keine gesetzliche Haftung für Schulden des anderen Ehegatten.
  • Im Falle der Beendigung des Güterstands (durch Tod, Vereinbarung eines anderen Güterstands oder aber (am häufigsten) durch Scheidung wird die Differenz der Werte ausgeglichen, die ein Ehegatte mehr erworben hat als der andere.

Ausgeglichen wird also nur der (Zu-) Gewinn („Profit aus der Ehe“).

Gewinn ist also der Zuerwerb, nicht was geerbt wurde, geschenkt wurde etc.

Der klassische Zugewinn ist der Lottogewinn oder aber die Wiese, die nach der Eheschließung Bauplatz wird.

Der Regelfall ist aber weniger spektakulär.

Ein einfaches Beispiel soll zeigen, wie der Zugewinn ausgeglichen wird:

Schenkungen und Erbe während der Ehe gelten rechnerisch als "mitgebracht" !


Ganz so einfach ist die Rechnung in der Praxis nicht, weil das Anfangsvermögen jeweils indexiert, d.h. um den Kaufkraftschwund angeglichen wird.

(vgl. Berechnungsprogramm für Excel auf Startseite zur eigenen Berechnung)

Die Zugewinnausgleichsansprüche verjähren 3 Jahre ab rechtskräftiger Ehescheidung !

Strittig ist im Prozess  weniger das Endvermögen. Es ist aktuell feststellbar (Stichtag: Zustellung des Scheidungsantrags), sondern das Anfangsvermögen und  dessen Wert (Stichtag: Heirat oder Datum der Zuwendung), Dieser Wert liegt oft  jahrzehnte-
lang zurück und beweisen muss das Anfangsvermögen derjenige, der zur Minderung
seines eigenen Zugewinns sich auf Anfangsvermögen beruft.

Insoweit hat der Gesetzgeber in § 1377 BGB eine Beweiserleichterung geschaffen (von dem in der Praxis selten Gebrauch gemacht wird).

Wenn die Ehegatten den Bestand und den Wert des Anfangsvermögens in einem gemeinsamen Verzeichnis festhalten (schriftlich ohne Notar genügt), so wird vermutet, dass dies so richtig ist.

Ein solches Verzeichnis ist dringend zu empfehlen, weil nach 20 Jahren Werte oft nicht mehr ermittelt oder bewiesen werden können.