Familienrecht
 
 

Kindesunterhalt

 

Beim sog.                           

volljährigen Kind

wird unterhaltsrechtlich unterschieden:

 

a)     Der sog. privilegierte Volljährige steht dem Minderjährigen bis
zur  Vollendung des 21. Lebensjahres gleich, solange er im Haushalt eines Elternteils lebt und eine allgemeinbildende Schule besucht (§ 1603 Abs. 2, Satz 2 BGB). Praktische Bedeutung hat dies nur für die Reihenfolge der Unterhaltsberechtigten, falls das Geld nicht für alle ausreicht und beim Selbstbehalt des Unterhaltsverpflichteten (1.080,-- € anstatt 1.300,-- € gegenüber dem Volljährigen).

 

b)     Den Volljährigen selbst, der nicht  zu  Hause  wohnt  oder keine allgemeinbildende Schule besucht oder eben über 21 Jahre alt ist.

 

Für alle Volljährigen wird der Unterhalt auf Basis der sog. Barunterhaltspflicht berechnet, also nicht mehr so, dass im Regelfall die Mutter das Kind betreut (Betreuungsunterhalt) und der Vater bezahlt (Barunterhalt). Vielmehr wird davon ausgegangen, dass beide Elternteile bezahlen müssen.

Dies gilt auch für den Fall, dass das Kind z.B. noch bei der Mutter wohnt. Gerechnet wird so, als ob beide Elternteile zahlen müssten. Ob dann das volljährige Kind von der Mutter tatsächlich Geld fordert oder weiter mit der Versorgung zufrieden ist, wirkt sich auf den Unterhaltsanspruch gegen den Vater nicht aus.

Egal, ob privilegiert volljährig oder ganz volljährig, gerechnet wird nach der Düsseldorfer Tabelle. Verdient ein Elternteil nach Abzug von 5 % Werbungskosten mehr als 1.080,-- € beim privilegierten Volljährigen oder mehr als 1.300,-- € beim Volljährigen, so ist er unterhaltspflichtig.

Wenn beide Elternteile leistungsfähig sind, ergibt dies z.B.:

 Vollind_Quote

Tatsächlich erhält das Kind vom Vater aber nur 415,00 €, weil er nie mehr zahlen muss, als es seinem eigenen Einkommen entspricht (vgl. nachfolgende Berechnung). Die Mutter zahlt 43,16 €. Insgesamt erhält das Kind wegen des Sonderfalls, dass die Mutter wesentlich weniger verdient als der Vater, also nur 458,16 €.

Wenn nur ein Elternteil leistungsfähig ist, (z.B. der Vater)
ergibt dies z.B.:

 

Vollkind_Mangel

Trotzdem die Mutter wegen des Selbstbehalts nicht leistungsfähig ist, zahlt der Vater also nicht wesentlich weniger als er dem Minderjährigen zahlte. Dies liegt daran, dass beim Volljährigen das Kindergeld voll (auf den Unterhalt) angerechnet wird und nicht hälftig auf die Mutter wie beim Minderjährigen.

(vgl. Berechnungsprogramm für Excel auf Startseite zur eigenen Berechnung)

Es ist also nicht immer notwendig sofort nach Volljährigkeit den Unterhalt neu anzufordern. Es gibt auch Fälle, bei denen der Betrag wegen der Kindergeldanrechnung sinkt  !

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